Schöne neue Arbeitswelt? oder: Das Betriebspraktikum der 12. Klassen der Lindenauschule

Schöne neue Arbeitswelt? oder: Das Betriebspraktikum der 12. Klassen der Lindenauschule

In der Oberstufe der Lindenauschule bekommen die Lernenden während der zwölften Klasse, d.h. zu Beginn der Qualifikationsphase (kurz: Q-Phase), zum dritten Mal während ihrer Schulzeit an der Lindenauschule die Gelegenheit, ein Betriebspraktikum zu absolvieren. Ebenso wie die Praktika während der achten und neunten Klasse dient auch das Betriebspraktikum in der Oberstufe der Berufsorientierung. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln während ihres Lebens unterschiedlichste Vorstellungen über ihre Zukunft und mit dem Erwachsenwerden werden die Überlegungen, in welchen Berufen sie einmal tätig sein wollen, für die Jugendlichen immer konkreter. Schließlich wächst mit den Jahren auch die Erkenntnis über wahre Interessen und den tatsächlichen Grad der Fähigkeiten.

Doch die Berufsorientierung ist nicht das einzige Motiv für die Durchführung des Betriebspraktikums in der zwölften Jahrgangsstufe. Und es ist auch kein Zufall, dass die Lernenden dieses im Rahmen des Politik&Wirtschaft-Unterrichtes durchführen. Die sogenannten PoWi-Lehrkräfte bereiten in den Kursen das Praktikum vor, betreuen die Lernenden währenddessen in den Betrieben, bei den Dienstleistern oder in den öffentlichen Institutionen. Schließlich dient der zu erstellende Bericht über das Betriebspraktikum als Klausurersatzleistung – und soll die Fähigkeit der Studierenden (studieren = „sich bemühen“) unter Beweis stellen, dass sie in der Lage sind, einen gut recherchierten, sauber mit Quellen belegten zehnseitigen Text über den Praktikumsbetrieb zu erstellen. Dabei interessieren nicht so sehr die persönlichen Erfahrungen während der vierzehn Tage im Praktikum, sondern eher solche Aspekte: Wie wird das Produkt hergestellt? Werden die Mitarbeiter im Rahmen der geltenden Tarifverträge beschäftigt und bezahlt? Gibt es Teilzeitbeschäftigung? Wieviel Urlaubstage stehen den Beschäftigten zu? Oder auch Fragen, wie z.B. Erwirtschaftet das Unternehmen Gewinn? Gibt es Mitbewerber auf dem Markt und wie geht das Unternehmen damit um? Für die Studierenden soll mit dem Praktikum der Blick auf die Arbeitswelt geweitet werden: Unterschiedliche Beschäftigungsverhältnisse, aber auch der Blick eines Unternehmers und Selbstständigen sollen einsehbar gemacht werden. Ebenso geht es darum, marktwirtschaftliche Strukturen nachvollziehbar zu machen.

Die sich stark verändernde Arbeitswelt stellt auch die Lehrkräfte immer wieder vor neue Herausforderungen, welche vor allem im Zusammenhang mit der Gestaltung des Betriebspraktikums sichtbar werden: Soll in der Oberstufe verlangt werden, dass Praktika vorwiegend in Studienberufen zu absolvieren sind, wenn seit Jahren deutlich wird, dass die Lernenden das Abitur auch anstreben, um bessere Chancen für die Auswahl bei Ausbildungsberufen zu haben? Mit der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt wird den Jugendlichen vorgegaukelt, dass „handwerkliche“ Berufe stark gefährdet seien durch Automatisierung und Rationalisierung, so dass diese kaum eine langfristige Beschäftigung in der Zukunft versprächen. Stimmt das? Womit sich die Jugendlichen – vor allem in diesem Praktikumsjahr – immer stärker konfrontiert sehen, ist der Fachkräftemangel.

In diesem Jahr fand das Betriebspraktikum in den Wochen vom 10. bis zum 21. Oktober 2022 statt. Für die Lernenden war es nicht immer einfach, einen passenden Platz für ein Praktikum zu organisieren. Dennoch erweist es sich immer wieder als Vorteil, dass die Lindenauschule mitten im Rhein-Main-Gebiet gelegen ist und sich durch die Vielzahl an ansässigen Unternehmen und Einrichtungen viele Möglichkeiten bieten, einen interessanten Platz dafür zu finden. So war es auch in diesem Jahr: Industrieunternehmen, Handelsunternehmen, der Flughafen, die Polizei, Anwaltskanzleien, Notare, Arztpraxen, Physiotherapeuten, Schulen, Vereine, … die Bandbreite der angesteuerten Praktika war so vielfältig und facettenreich wie die Lernenden an der Lindenauschule. Insbesondere nach der Zeit der Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen war es auch für die Lehrkräfte hoch spannend, einen Blick in die Unternehmen zu werfen und die aktuelle Situation hautnah geschildert zu bekommen. Die Rückmeldungen der Studierenden zeigen, dass das Praktikum in der 12. Jahrgangsstufe als eine wertvolle Hilfe bei der Berufsorientierung wahrgenommen wird. Die Erstellung des Berichtes gilt als Herausforderung, da dieser neben der Klausurbelastung während der Q-Phase zu erarbeiten ist.

Für die Betreuung der PoWi-Kursteilnehmer sei an dieser Stelle ein besonderer Dank an Herrn Martin Kröhnert ausgesprochen. Trotz einwöchiger Klassenfahrt gelang es ihm in selbstloser Manier, zwei PoWi-Kurse durch das Praktikum zu begleiten! Ein ebenso herzlicher Dank für die Betreuung trotz Mehrfachbelastung durch die Teilnahme an Abschlussfahrten geht an Herrn Holger Wunderlich und Herrn Manu Seidel.

 

Sandra Hartmann

 

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