Zeitzeuge berichtet über sein Leben in der DDR an der Lindenauschule

Zeitzeuge berichtet über sein Leben in der DDR an der Lindenauschule

Der Zeitzeuge Rolf Leipold besuchte im Rahmen der Erinnerungskultur die Politik- und Geschichtskurse der Jahrgangsstufe 10 an der Großauheimer Lindenauschule.

„Mein Leben in der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik war nicht demokratisch“, betonte Leipold gleich zu Beginn seines Vortrags. Er lebte und arbeitete mit seiner Familie 33 Jahre lang im anderen Teil Deutschlands, im heutigen Bundesland Thüringen. Sein Ausreiseantrag im Jahr 1984 sei für ihn der endgültige Bruch mit dem von ihm als diktatorisch empfundenen Regime gewesen. Kurz vor dem Mauerfall wurde er schließlich ausgebürgert.

In seinem fast zweistündigen Vortrag spannte Leipold den Bogen vom Bau der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze bis hin zum Alltag in der DDR. Besonders eindrücklich waren seine persönlichen Schilderungen: Er berichtete von der Lebensmittelversorgung und dem alltäglichen „Schlange stehen“, aber auch von den stark eingeschränkten Reisemöglichkeiten. „Freies Reisen und Meinungsfreiheit sind hohe demokratische Güter, für die ihr dankbar sein solltet“, appellierte er an die Schülerinnen und Schüler.

Neben seiner kritischen Perspektive verschwieg Leipold jedoch auch die positiven Aspekte des DDR-Systems nicht. So seien Kinderbetreuung und medizinische Versorgung gesichert gewesen, und auch der gesellschaftliche Zusammenhalt sei häufig stärker ausgeprägt gewesen als heute. Gleichzeitig habe jedoch die permanente ideologische Beeinflussung – insbesondere von Kindern – sowie die allgegenwärtige Bespitzelung das Leben für ihn auf Dauer unerträglich gemacht. Dies habe letztlich zu seinem Entschluss geführt, die DDR zu verlassen.

„Ich wurde freigekauft – damit hat das DDR-Regime sogar noch an mir verdient“, berichtete Leipold. Für seine Ausreise habe die Bundesrepublik Deutschland 40.000 DM gezahlt. Dies bezeichnete er als eine Form von „modernem Menschenhandel“.

Rolf Leipold ist Mitglied im VdK Hessen-Thüringen, einem festen Kooperationspartner der Schulgemeinde. Im Rahmen seiner Tätigkeit im Sozialverband engagiert er sich für die Aufarbeitung der innerdeutschen Vergangenheit und besucht regelmäßig Schulen als Zeitzeuge.

„Ein Leben in Freiheit und demokratischen Werten ist eines der höchsten Güter, für die wir jeden Tag dankbar sein sollten“, lauteten seine Schlussworte.

Im Anschluss nutzten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit für zahlreiche Nachfragen, bevor die Kurse mit vielen eindrücklichen Gedanken aus dem Vortrag entlassen wurden.

Steffen Schleicher

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