Schule ohne Rassismus

Was bedeutet eigentlich Rassismus?

„Rassismus umfasst Ideologie und Praxisformen auf der Basis der Konstruktion von Menschengruppen als Abstammungs- und Herkunftsgemeinschaften, denen kollektive Merkmale zugeschrieben werden, die implizit oder explizit bewertet und als nicht oder nur schwer veränderbar interpretiert werden.“

(Johannes Zerger, Was ist Rassismus? Göttingen 1997, S. 81)

Vielen Dank Herr Zerger! Aber jetzt lassen Sie uns mal ran. Wir als Lindenauerinnen und Lindenauer beschäftigen uns intensiv in unserer AG „Schule ohne Rassismus“ (SOR) mit Rassismus und den damit verbundenen Aufgaben, die eine Schule mit diesem Titel erfüllen muss.

Unsere Definition sieht wie folgt aus: Rassismus bedeutet die Ausgrenzung von Personen oder Personengruppen aufgrund ihres äußeren Erscheinungsbildes, ihrer Herkunft, ihre Religion, ihrer politischen Einstellung, ihrer Hautfarbe usw.

Was ist denn eine Schule ohne Rassismus?

Um eine „Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage“ zu werden, müssen sich 70% der Schüler, Lehrer, des Personals usw. einer Schule in einer Selbstverpflichtung gegen Rassismus aussprechen und das mit ihrer Unterschrift in einer Unterschriftenaktion demonstrieren. Wenn eine Schule die nötigen 70% aller Stimmen erhält und einen Paten gefunden hat, bekommt sie von der „Aktion Courage“ in Berlin, einer bundesweit anerkannten Organisation gegen Rassismus, den Titel verliehen „Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage“.

Aber: es geht nicht nur darum, auf der Homepage und dem Papier eine Schule ohne Rassismus zu sein, sondern das auch mit Überzeugung in Wort und Tat umzusetzen. Heute mehr denn je…

Was tun wir als Schule ohne Rassismus?

Hier einige Beispiele:

  • Die AG unter der Leitung von Herrn Seifried setzt sich wöchentlich mit verschiedenen, auch aktuellen Themen auseinander.
  • Wir nehmen regelmäßig an Gedenkveranstaltungen zum Thema „Holocaust“ teil.
  • Alljährlich gestalten wir unser Kulturfest, um das gemeinsame Zusammenleben in Respekt, Vielfalt und Toleranz zu fördern.
  • Im vergangenen Jahr haben wir eine Strickaktion zum Thema „Lindenau ist bunt“ durchgeführt, an der die gesamte Schulgemeinte beteiligt war. Verbunden war diese mehrwöchige Aktion auch mit einer Podiumsdiskussion zum gleichnamigen Thema für die Jahrgangsstufen 10 und 11 mit Experten aus dem Hanauer Raum.
  • Wir wollen in Zukunft schon in den unteren Jahrgängen anfangen, mit den Schülerinnen und Schülern über dieses wichtige Thema zu reden
  • Ihr habt eigene Ideen…sprecht einfach Herrn Seifried an.

Wie wurde die Lindenauschule eine „Schule ohne Rassismus“ (SOR)?

Im Jahr 2005 beschäftigten sich Schüler und Schülerinnen in einer Projektwoche mit dem Thema „Aus Geschichte lernen Schüler gegen Rassismus“. Arno Lustiger, ein Überlebender des Holocaust, teilte seine Erfahrungen in der Projektwoche mit den Schülerinnen und Schülern und weckte deren Interesse. Sie fühlten sich dadurch inspiriert, die AG „Schule ohne Rassismus“ ins Leben zu rufen.

Im Sommer 2006 haben die Schüler und Schülerinnen dann unter der Leitung von Frau Anke Kaloudis in der oben genannten Unterschriftenaktion 80% der Stimmen unserer Schule für das Projekt gesammelt. Als Paten konnten die damaligen FFH-Moderatoren Johannes Scherer und Cathrin Sawatzki (Frühstücksradio) gewonnen werden, die dann auch in einem Festakt im Juni 2006 der Lindenauschule den Titel und das Schild übergeben durften.

Und übrigens…

Was würdet Ihr tun, wenn an Eurer Schule, in der Nachbarschaft oder im Stadtteil Leute angepöbelt werden, weil sie sich durch ihre Kleidung, Sprache oder Hautfarbe von anderen unterscheiden?

Was würdet Ihr machen, wenn es nicht nur bei Anpöbeleien bleibt, sondern diese Menschen weiter erniedrigt oder sogar körperlich angegriffen werden?

Wir leben in einer Gesellschaft, die von unterschiedlichen Kulturkreisen geprägt ist. Tagtäglich sind Menschen rassistischer Diskriminierung ausgesetzt – vor allem in Alltagssituationen.

Deshalb: Gib Rassismus keine Chance

Campino, der Sänger der Toten Hosen, hat einmal gesagt, dass eine wirklich große Gefahr für das Leben hier bei uns der ständig vor sich hinschwelende Rassismus im Alltag ist. Recht hat er damit. Manchmal begegnet uns Rassismus ganz klar und offensichtlich, wenn Menschen anderer Hautfarbe oder aus anderen Ländern einfach schlecht behandelt oder angepöbelt werden, z.B. in Geschäften oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Manchmal merkt man dann aber gar nicht, wie langsam und schleichend sich solche Meinungen in den Köpfen festsetzen (auch im eigenen) und unterschwellig Vorurteile und Klischees über „die Anderen“ erzeugt werden, die dann irgendwann einmal zum Rassismus führen.

S. Seifried (Leiter der SOR-AG)