Kino-Besuch zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

Kino-Besuch zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

Am Freitag, dem 24. November 2017, unternahmen die Schülerinnen und Schüler der Religions- und Ethikkurse des 10. Jahrgangs der Lindenauschule in Hanau-Großauheim einen Ausflug nach Gelnhausen. Anlass hierfür war der am 25. November jährlich stattfindende Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung von Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen. Seit 1981 führen verschiedene Menschenrechtsorganisationen an diesem Tag Veranstaltungen durch, bei denen die Einhaltung der Menschenrechte gegenüber Frauen und Mädchen thematisiert wird. Klares Ziel der Aktionen ist es, die Frauenrechte zu stärken.

Das Gelnhäuser Kino Pali zeigte das deutsche Filmdrama „Die Ungehorsame“, das im Rahmen eines Thementages zu häuslicher Gewalt im Jahr 2015 erstmals ausgestrahlt wurde und in diesem Jahr den 3sat-Zuschauerpreis gewann.

„Die Ungehorsame“ (Regie: Holger Haase, Drehbuch: Michael Helfrich) ist die Geschichte einer langjährigen Misshandlung einer Ehefrau, kühl komponiert und retrospektiv erzählt. Den Rahmen des Films bildet die Gerichtsverhandlung, bei der darüber entschieden wird, ob der Mord des Ehemanns Totschlag oder Notwehr war. Der Zuschauer sieht die zentralen Szenen in der Beziehung: die unglaubliche Nähe und Verliebtheit zu Beginn, die Momente der Verstörung in der Mitte, schließlich die immer wieder jäh ausbrechende Gewalt am Ende. Trotz Aussparungen ist der Zuschauer stets mittendrin in diesem fatalen Liebesdrama. Der Film schließt mit einem Verweis auf das Hilfetelefon für Frauen und der Information, dass jede vierte Frau Gewalt in der Partnerschaft erlebt.

In den Hauptrollen überzeugen Felicitas Woll als Ehefrau Leonie Keller, Marcus Mittermeier als Ehemann Alexander Keller und Alina Levshin als Pflichtverteidigerin Anna Gottwald.

Im Anschluss an den Film hatten die zahlreich erschienenen Schülerinnen und Schüler sowie anderen Gäste die Möglichkeit, ihre Fragen rund um das Thema zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Als Experten standen Beauftragte der Frauenhäuser in Hanau, Gelnhausen und Wächtersbach, ein Polizeihauptkommissar der Polizeidienststelle Gelnhausen, Vertreter des Jugendamtes des Main-Kinzig-Kreises sowie des Zentrums für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe zur Verfügung. Die zahlreichen Fragen des Publikums verdeutlichten die Brisanz des Themas. Immer wieder betonten die Experten, wie wichtig es ist, dass sich betroffene Frauen sofort Hilfe holen, um nicht weiter in die Gewaltspirale zu gelangen. Dies gelte – auch wenn es besonders in Partnerschaften schwerfällt – für alle Formen der erfahrenen Gewalt, nicht nur für körperliche. Wie auch im Film thematisiert, verfügten die jeweiligen Täter schließlich immer auch über andere Persönlichkeitsmerkmale, die deren Partnerin liebt oder geliebt hat. Dementsprechend wurden die Anwesenden zur Achtsamkeit im Alltag aufgerufen. Man solle aufmerksam sein und im Fall der Fälle Zivilcourage zeigen. Dafür müsse man sich nicht selbst in Gefahr bringen, sondern könne auch damit helfen, andere Umstehende zur Hilfe zu holen oder auch die Polizei zu rufen. Ebenfalls sei es von zentraler Bedeutung, das Selbstbewusstsein von Frauen stärken. In diesem Zusammenhang wurde auf spezielle Trainingskurse für Frauen und Mädchen verwiesen, die auch an verschiedenen Schulen angeboten werden.

In einer kurzen Schlussrunde betonten die Experten noch einmal, dass die Beratungs- und Hilfsangebote für betroffene Frauen kostenfrei sind und auch anonym in Anspruch genommen werden können. Des Weiteren wiesen sie darauf hin, dass es für vergewaltigte Frauen eine Soforthilfe in den Kliniken in Hanau und Gelnhausen gibt.

Die starke Resonanz zeigte, dass der Kinofilm und die anschließende Diskussionsrunde bei den Schülerinnen und Schülern eine große Betroffenheit ausgelöst hat. Während die Jugendlichen in ihrer Freizeit normalerweise Kinofilme zur Unterhaltung anschauen, hinterließ der Film „Die Ungehorsame“ bei jedem einzelnen neue Einsichten und Erkenntnisse zum Thema „Gewalt gegen Frauen“.

 

Julia Völker

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